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Technische Infos LM08UU und LM08LUU
#1
Hallo 3ddc-Community,

gestern auf dem Stammtisch konnten wir uns die ab sofort bei Smalltec verfügbaren LM08UU und LM08LUU anschauen und die Laufkultur beurteilen. Hoffnung von Smalltec war, neben den Präzisionswellen die wir selbst herstellen, auch die beiden Lagertypen LM08UU und LM08LUU anbieten zu können, in einer hoffentlich besseren Qualität und Reproduktionsgenauigkeit als dies bei Ali und Co.  der Fall ist. Resumee war, daß nach ausreichender Verteilung des Schmierstoffes alle 4 getesteten LM08LUU gut für alle Achsen verwendbar waren und auch eine gute Laufkultur aufweisen. Die kurzen, also die LM08UU waren nach Schmierung schon sehr schnell von uns als gut empfunden worden.
 
Edwin bat mich zum Thema Linearlager auch technisch ein paar Dinge zu schreiben:
 
Hier mal zusammengefasst ein paar wichtige Dinge zu Linearlagern und auch Antworten zu Fragen die ich teilweise im Forum schon gesehen habe:
 
1.)    Schmierung ist Pflicht und ist Vorraussetzung für ordentliche Laufkultur!

Beurteilt bitte niemals ein Linearlager (auch nicht von Ali) sofort nach dem Auspacken und auf die Welle aufschieben hinsichtlich der Laufkultur (Ruckler, Geräusche, Widerstand etc.) - Das wäre grundfalsch!
Ein Linearlager muss zunächst ausreichend geschmiert sein und der Schmierstoff muss sich auch zuerst im gesamten Innenkäfig ordentlich verteilt haben!! Das heisst in der Praxis:

Lager auspacken und entweder Öl (wir hatten Ballistol verwendet) reinsprühen und dann von Hand durch Hin und Herschieben im gesamten Innenkäfig ordentlich verteilen, ggf. öfter mal dabei nachsprühen und ruhig 100x hin und herfahren oder das gleiche mit einem Fett von geringer Viskosität (wg. Verschiebewiderstand) machen. Edwin hat hier auch was spezielles gehabt, den Namen hab ich mir leider nicht  gemerkt.  Die Kugelbuchsen sind ab Werk i. d. R. mit einem Korrosionsschutzmittel versehen, jedoch noch nicht betriebsbereit gefettet, d. h. bitte nicht mit einem bereits vorhandenem Schmierstoff verwechseln!

Welcher Schmierstoff: Hier gibt es nicht die absolute Weisheit oder Empfehlung, jeder schwört je nach Anwendungsfall auf was anderes. Wie viel Öl / Fett ? Nach Gefühl, wenns nachher von der Welle tropft war es definitiv zuviel des guten ! Das Öl sollte nicht harzend sein und ein Fett sollte die Eignung für den Betrieb von Wälzlagern haben, dann macht ihr nichts falsches (für 3D-Drucker lediglich auf geringe Viskosität achten).

Hier für Perfektionisten ein Link eines Spezialisten für Wälzlagerschmiermittel:
http://www.klueber.com/de/anwendungen/bauteile/waelzlager/[News]E3D veröffentlicht Upgrade für Chimera und Cyclops Hotend
Hinweis: Irgendwann ist das Lager auch trocken gelaufen und es heisst nachschmieren!
 
2.)    Paarung Lager zu Welle muss stimmen!

Lager und Welle müssen hinsichtlich Toleranzen zueinander passen ! Beispiel: LM08UU und LM08LUU – diese sind i. d. R. für den Betrieb auf einer gehärteten und geschliffenen Welle in g6-Toleranz ausgelegt (Standard Asien/US). Bestellt wird i. d. R. überall immer in h6-Toleranz, weil das eben im metrischen System der am meisten verfügbare Standard in der Lineartechnik ist – für die Baureihe LME ist das auch richtig, für LM eigentlich nicht! Die Welle 8h6 hat einen Toleranzbereich von 0 bis minus 9µm, d. h. die muss liegen zwischen 7,991mm und 8,000mm. Die Welle 8g6 hat einen Toleranzbereich von minus 5µm bis minus 14µm, d. h. zw. 7,986 bis 7,995µm. Die 8h6-Welle ist also im Schnitt 5µm dicker als die 8g6-Welle. 5µm Unterschied merkt man durchaus bei der Laufkultur und man beurteilt u. U. ein Lager als viel zu schwergängig was auf einer 5µm dünneren Welle vielleicht als gut empfunden werden könnte.  Keine Angst wenn ihr jetzt h6-Wellen mit LM´s kombiniert habt, es funktioniert ja und ev. ist die Welle auch so tief geschliffen dass sie sogar noch im g6-Bereich liegt.

Bei Neubau würd ich aber mal darauf achten. Bei unseren Wellen könnt ihr auch gezielt die Toleranz g6 auswählen, als Standardoption ist immer nur h6 gesetzt, da das eben der europäische Standard ist.       
 
3.)    Muss die Welle unbedingt gehärtet sein ? Sonstige Regeln?

Ja ! Ein Einsatz von Linearlugellagern, egal welcher Bauart auf ungehärteten Wellen verbietet sich!  Auch wenn die Last noch so klein ist, eine ungehärtete Welle wird definitiv über Faktor Zeit einlaufen (Einlaufspuren) und somit unbrauchbar werden. Aber nicht nur die Härte ist wichtig:  Sämtliche Zusicherung an Eigenschaften der  Linearlagerhersteller wie Lebensdauer, Last, Betriebsspiel ect. gelten immer nur in Verbindung mit geeigneter Welle die

-eine Mindesthärte von 670HV + 170HV aufweist
-Präzisionsgeschliffen ist
- In der richtigen Durchmessertoleranz eingesetzt wird - im Falle LM08UU oder LM08LUU in Toleranz g6 im Falle LME08UU Toleranz h6
- Zudem ist jedes Linearlager in geeignetem Gehäuse aufzunehmen, bei Leichtmetall in H7-Passung des Aussendurchmessers Linearlager  (relativ unrelevant bei Type LM08..)   
 
4.)    Ein langes LM08LUU oder lieber 2 kurze LM08UU einsetzen?

Klare Antwort: 1 langes  ist vorzuziehen ! 2 kurze hintereinander kann zwar auch funktionieren, aber aufgrund unterschiedlich gefertigter Lager mit entsprechenden Toleranzen hintereinander gesetzt, entsteht in jedem Falle das Zusatzrisiko gegenseitiger Verspannungen und somit eines schlechteren Laufverhaltens!  
 
5.)    KH0824PP – geht das auch ?

Nein ! Solltet ihr nicht machen. Auch wenn die Masse identisch sind zu LM08UU ist eine KH aufgrund ihres anderen Aufbaues nicht als Alternative im 3D-Druckereinsatz zu empfehlen! Grund ist die bei einer KH am höchsten aller Linearlager ausgeprägten Eigenschaft, daß es zunächst einer deutlichen plastischen Verformung durch Verpressen in ein geeignetes Gehäuse bedarf. Diese Einbausituation ist im 3D-Drucker i. d. R. nicht gegeben.  Auch wenn dieser Effekt  bei der Größe 8mm nicht mehr sonderlich hoch ausgerägt ist, bleibt er dennoch erhalten. So geht ihr definitiv das Risiko einer Schlockerpassung ein. Die läuft dann vermutlich sogar sehr schön leicht, mit üblichem Betriebsspiel hat es dann halt auch nichts mehr zu tun (Genauigkeit). Bei der LM mit ihrem massiven Stahlaussenmantel ist dieser Effekt im 3D-Drucker vernachlässigbar.   

6.)    Winkelfehlerausgleich – was ist das ?


Im Forum habe ich diese Frage auch mal gesehen. Linearkugellager unserer Baureihen SBE, SPM und SPM sowie EXC gibt es mit einem sogenannten Winkelfehlerausgleich bzw. Fluchtungsfehlerausgleich. Dies ist i. d. R. über in das Lager integrierte schwimmende Tragplatten gelöst, im Falle EXC auch über ballig geschliffene Tragplatten. Sinn und Zweck ist, daß wenn min. 2  Lager parallel über Achsen miteinander verbunden sind, die Ungenauigkeiten im Aufbau (z. Bsp. 3D-Drucker über das Gehäuse) bin zu einer Winkelminute ausgeglichen werden können, da das Lager über die Wegstrecke die Ungebauigkeit über Tragplatten ausgleicht.

Starre Lager, z. Bsp. LM-Lager können das nicht und die Folge konstruktiver Ungenauigkeit wird durch eine einseitige Belastung von Kugeln/Kugelreihen quittiert, was sich in Laufkultur und Lebensdauer bemerkbar macht. Ein Lager mit Winkelfehlerausgleich mit den Massen der LM08UU oder LM08LUU kenne ich derzeit nicht, was nicht unbedingt heissen muss dass es wirklich keines gibt. Vielleicht hab ich hier einfach eine Lücke.   
 
7.)    Was bedeutet –PP bei dem Lager?

Ein Nachsatzzeichen –PP z. Bsp. KH-0824-PP bedeutet einfach nur beidseitig mit Dichtung. Diese Dichtungen sollen den Schmierstoff im Lager halten und natürlich auch Schmutz un Partikel vom Innenleben des Lagers fernhalten. Diese Dichtung hat mehr oder weniger stark ausgeprägt auch eine sogenannte Dichtungsvorspannung die das Lager dann auch etwas schwergängiger macht. In manchen Anwendungsfällen wird daher gezielt ohne Dichtung gearbeitet oder diese entfernt.  
Andere Lagertypen haben manchmal statt –PP auch das Nachsatztzeichen –UU (LM08-UU) oder –WW (Bsp.: SPM-16-WW). Das meint alles das gleiche, nämlich Dichtungen…
 
Ich hoffe ich konnte damit dem einen oder anderen mit diesen Informationen etwas helfen     
 
Hier zum Thread mit Shoplink:

Gruss / Dietmar
Gruss / Dietmar
 
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#2
Hallo Dietmar,

Ein prima Beitrag der, so hoffe ich zum besseren Verständnis und der Linearlager deren richtigen Einsatz beiträgt..... Klasse Danke

Das mit der Schmierung sollte man dabei nicht unterschätzen.

Als mir Dietmar die ersten Lager auf einer Welle in die Hand drückte dacht ich mir noch Sch.... die sind ja vollkommen unbrauchbar.
Wenn man die verdrehte, oder stark daraf drückte liefen die gut, aber so war alles Hakelig, Rau und der Anlaufruck für einen 3D Drucker indiskutabel, nicht mal für die Z-Achse.

Als sich dann das Öl aber in den Lager verteilte änderte sich das Laufverhalten radikal. Die liefen mit einem Mal butterweich und ohne relevanten Anlaufruck.

Ich verwende da übrigens gerne auch Getriebeöl in das man die Lager vor der Montage auch gut versenken kann, so daß diese auch vollaufen können... Cool 

Gruß Edwin

 
 
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#3
Hmm ginge auch Öl der Zentralschmierung unserer Maschinen, oder wäre das schon wieder zu "hart"? GPL 68 oder CGPL 68, also Gleitbahnöl.
Gruß, Ronny

Sind wir nicht alle ein bisschen Temmie?
 
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#4
vlt mal Dryfluid Testen als Schmiermittel, ist im Rc Bereich mitlerweile seeehr gerne genutzt, kostet aber auch nen heiden Geld.


Gruß,
 
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#5
(07.02.2017, 19:03)Fursat schrieb: Hmm ginge auch Öl der Zentralschmierung unserer Maschinen, oder wäre das schon wieder zu "hart"? GPL 68 oder CGPL 68, also Gleitbahnöl.

CGLP68 kannst Du auch nehmen!

Gruss/Dietmar
Gruss / Dietmar
 
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#6
Hallo Dietmar,

vielen Dank für die tollen Erklärungen! Es ist sehr schön, wenn man auch mal eine fundierte Erklärung zu den Sachen liest!

Ich habe aber noch eine Frage:
Wie ist das mit Teflon-Spray (z.B. https://www.amazon.de/gp/product/B007VMGD7E) in den Lagern? Darf man das dafür benutzen?
Gruß
Chris                    

Die Summe der Intelligenz auf der Erde ist eine Konstante.
Die Bevölkerung wächst.
 
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#7
Hat jemand schon mal weißes Sprühfett (silikonfrei) probiert, oder muss ich das machen? Big Grin
LG Piet
 
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#8
Hallo,

ist HHS-Fluid abschleuderfestes Fließfett von Würth geeignet ?

Super Artikel, Danke

LG
Stefan


Gesendet von meinem iPad mit Tapatalk HD
 
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#9
(07.02.2017, 19:51)ChrisB schrieb: Hallo Dietmar,

vielen Dank für die tollen Erklärungen! Es ist sehr schön, wenn man auch mal eine fundierte Erklärung zu den Sachen liest!

Ich habe aber noch eine Frage:
Wie ist das mit Teflon-Spray (z.B. https://www.amazon.de/gp/product/B007VMGD7E) in den Lagern? Darf man das dafür benutzen?
Hi Chris, man darf - Ptfe-Sprays eignen sich gut! Man muss halt immer den Zeitpunkt des Nachschmierens im Auge behalten. Das gilt aber generell für alle Schmierstoffe - nicht speziell für ptfe...

Gruss / Dietmar
Gruss / Dietmar
 
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#10
(07.02.2017, 20:04)PrintPiet schrieb: Hat jemand schon mal weißes Sprühfett (silikonfrei) probiert, oder muss ich das machen? Big Grin


Auch das hatte ich schon verwendet in Linearlagern. Würd mir aber im 3D-Druck die zugelassenen Temparaturbereiche anschauen

Ich persönlich bin wenns absolut leichtläufig werden soll Fan von normalem Ballistol-Waffenöl aus dem Baumarkt... Ich würde da auch keine allzugrosse Wissenschaft draus machen - jede Form von Schmierung für das Lager solange es harzfrei ist, die Temparaturen mitmacht, den Kunststoffkäfig nicht angreift und das Lager leichtläufig bringt, ist besser als Trockenlauf, denn der tötet die Laufkultur und auch das Lager! Es gibt tausende von Schmierstoffen.

Gruss / Dietmar

(07.02.2017, 21:03)Porky6666 schrieb: Hallo,

ist HHS-Fluid abschleuderfestes Fließfett von Würth geeignet ?

Super Artikel, Danke

LG
Stefan


Gesendet von meinem iPad mit Tapatalk HD
Das kenne ich nicht - steht aber dass das einen zähen Fettfilm um die Kugeln entwickelt - ev erhöhter Verschiebewiderstand zu erwarten

Gruss / Dietmar
Gruss / Dietmar
 
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